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Vor zwei Jahren übernahm Uwe Plonka auf dem Verbandstag als WBV-Vizepräsident die Verantwortung für die Finanzen des Verbandes. Nun möchte der Hagener in die Fußstapfen des scheidenden Präsidenten Klaus-Rüdiger Biemer treten und den größten Landesverband im Deutschen Basketball-Bund in die Zukunft führen.

Herr Plonka, Sie stellen sich den Mitgliedern auf dem Verbandstag des Westdeutschen Basketball-Verbands am 21. Juni in Duisburg zur Wahl als neuer WBV-Präsident. Haben zwei Jahre Präsidiumsarbeit im WBV Lust auf mehr aufkommen lassen?
PlonkaBiemerInternet005Uwe Plonka: Ja, in der Tat. Trotz aller Probleme und obwohl die Aufgabe recht viel Zeit beansprucht, haben die zwei Jahre Spaß gemacht. Aber sie haben mir auch verdeutlicht, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Insbesondere möchte ich den Basketball wieder in den Mittelpunkt der Verbandsarbeit stellen. Für politische Auseinandersetzungen ist jetzt keine Zeit mehr.

Sie sind als Novize im WBV-Präsidium vor zwei Jahren ins kalte Wasser gesprungen. War es schwer sich auf Verbandsebene zurecht zu finden?
Plonka: In der Tat, das Wasser war kalt und tief. Aber ich besitze noch aus Bundeswehrzeiten einen Rettungsschwimmer-Schein. Zu Anfang war der WBV in seinen Strukturen schon eine große Unbekannte für mich. Aber ich habe mich durch den WBV gepflügt und besonders durch die Geschäftsstelle viel Unterstützung erfahren. Ich musste während meiner Amtszeit das Steuerberaterunternehmen wechseln. Diese Entscheidung und Ausschreibung hatte noch das alte Präsidium getroffen und in die Wege geleitet. Der Wechsel und die weitere Digitalisierung der Buchhaltung sind nun soweit vorbereitet. Mein Nachfolger im Amt wird dies konsequent weiterführen können.

Nennen Sie uns doch mal ein paar Ihrer Beweggründe, warum Sie im größten Landesverband im DBB nun noch mehr Verantwortung übernehmen möchten?
Plonka: Weil wir nun mal der größte und einflussreichste Verband innerhalb der Basketballfamilie im DBB sind und dadurch Einfluss haben und in Zukunft auch wieder mehr nehmen sollten. Das ist eine sehr reizvolle Perspektive. Dafür gilt es den WBV flott zu machen. Ich bin sicher, dass ich das „Dickschiff“ WBV wieder auf Kurs bringen kann. Dieser Verantwortung möchte ich mich gerne stellen und hoffe auf dem Verbandstag die Unterstützung der Delegierten zu erhalten.

Vor Ihrer Wahl vor zwei Jahren zum Vizepräsidenten Finanzwesen waren Sie nur eingefleischten Basketballfans, und dies in erster Linie im Hagener Raum, bekannt. Selbst der scheidende Präsident Klaus-Rüdiger Biemer gestand jüngst ein, dass man sich bis dato noch kaum über den Weg gelaufen war. Zwei Jahre später bezeichnete er Sie als „Basketballer durch und durch“! Passt das?
Plonka: Ja das passt! Ich bin bereits seit 1980 mehr oder weniger im Basketball zuhause. In meinem Heimatverein SV Haspe 70 trage ich bereits seit 25 Jahren Verantwortung im Bereich Finanzen und Vorstandsarbeit. Die Basketballszene, schwerpunktmäßig in der Hochburg Hagen und in Westfalen, kenne ich natürlich ebenfalls gut.

Und wie sieht es mit den eigenen sportlichen Erfolgen auf dem Basketballparkett aus?
Plonka (schmunzelt): Die sind bescheiden. Ich habe nie sonderlich ambitioniert gespielt, aber dafür immer mit sehr viel Freude und ich spiele heute noch auf PlonkaBiemerInternet003Kreisebene. Der Spaß steht da im Mittelpunkt! Eine Trainerlaufbahn kam für mich ebenfalls nicht in Frage. Dafür habe ich früh auf Funktionärsebene Verantwortung übernommen. Und freue mich über die gute Entwicklung meines Heimatvereins. Gerade erst sind wir in die 1. Regionalliga der Herren zurückgekehrt. Das ist Belohnung für den großen Aufwand. Und auch für ein klares Konzept. Wir setzen auf unseren Nachwuchs und hoffen möglichst sogar ohne Amerikaner oder sonstige ausländische Leistungsträger auszukommen.

Als WBV-Präsident dürfte Ihr Zeit-Management noch mehr auf die Probe gestellt werden! Wie bekommt man eine berufliche Führungsposition, Verbands-, Kreis- und Vereinsarbeit sowie Familie/Freizeit alles unter einen Hut?
Plonka: Wenn man ehrenamtlich ambitioniert ist, schafft man das und es ist zudem ein guter Ausgleich zu meinem anspruchsvollen Hauptjob. Wichtig ist mir, dass ein Team dahinter steht. Es erleichtert die Bewältigung der Aufgaben und macht mehr Spaß. Ich bezeichne die Arbeit und das Ehrenamt auch gerne mal als meine " Work Life Balance".

Und wenn es sich neben dem Beruf mal nicht um Basketball dreht, wie verbringen Sie dann Ihre Zeit?
Plonka: Dann bleibt zugegebenermaßen gar nicht mehr ganz so viel Zeit übrig. Doch diese Zeit gehört dann natürlich der Familie und Freunden. Dazu zählen auch Besuche von Konzerten und anderen Sportarten. Als bekennender BVB-Fan - darf ich das eigentlich vor dem Verbandstag und der Wahl verraten? - musste ich diese Saison etwas leiden. Zudem reise ich sehr gerne innerhalb Deutschlands zur Nordsee oder nach Süddeutschland. Ab und an stehen europäische Hauptstädte auf dem Besichtigungszettel. Und natürlich nutze und genieße ich mein schönes Haus und den Garten in Hagen.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil bezeichnen?
Plonka: Ich führe eher kooperativ. Das fördert das Miteinander, erzeugt mehr Gemeinsamkeit und jeder kann seine Meinung einbringen. Aber die Leistungsorientierung und kurze Wege zu Entscheidungen sind sehr wichtig. Ich sehe mich als Leader eines Teams.

In welchem Zustand glauben Sie den WBV, wenn Sie gewählt werden, zu übernehmen?
PlonkaBiemerInternet011Plonka: Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Ich habe erkannt, dass es Strukturveränderungen im Spielbetrieb, Leistungsnachwuchs, Zusammenarbeit mit den Kreisen und eine noch engere Vernetzung zwischen den Ressorts im WBV geben muss. Die demographische Veränderung ist zusätzlich eine Herausforderung. Im Spielbetrieb ist das Verhältnis ungesund. Es gibt ca. 65 % Jugendliche und ca. 35 % Senioren. Das ist ein ungleiches Verhältnis und so auch nicht gewollt. Hier müssen wir mit Maßnahmen ansetzen.
Die weitere Konsolidierung der Finanzen ist ebenfalls ein Thema, das wir alle gemeinschaftlich hinbekommen müssen. Ein Verband muss solide aufgestellt sein, um neue Herausforderungen anzunehmen.

Vor welchen Problemen, oder vielleicht besser gesagt Aufgaben, steht der WBV und wo würden Sie als Erstes ansetzen?
Plonka: Als Erstes muss das neue Präsidium eine Drei-Jahresstrategie erarbeiten und es muss klare Zuständigkeiten geben. Ich stelle mir vor, eine Zukunftskonferenz zu starten. Hierzu möchte ich neben allen hauptamtlichen Mitarbeiter/innen, die Vertreter der Kreise und ausgesuchte Vereinsvertreter einladen. Auch hier wünsche ich mir die Einbringung der Ausschüsse als Know-how-Träger.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zusammenarbeit mit unseren Geldgebern insbesondere Landessportbund und Sporthilfe und unseren derzeitigen Hauptsponsoren. Hier muss ich Gespräche führen, um den WBV als Marke zu präsentieren. Dazu gehört auch eine Art neues Marketingkonzept.
Die Neuordnung unserer Geschäftsstelle als Dienstleister für unsere Vereine ist sicherlich auch eine Aufgabe. Sie sehen, und das sind nur einige Themen, es gibt aber viel mehr Herausforderungen.

Wenn auf dem Verbandstag die Wahlen anstehen, wird ja nicht nur ein neuer Präsident gesucht, sondern das komplette Präsidium steht zur Wahl. Haben Sie sich Gedanken darüber gemacht, wie sich ein Präsidium unter Ihrer Führung zusammensetzen sollte?
Plonka: Ja, natürlich. Ich bin sicher, dass wir ein schlagkräftiges, kompetentes Team haben und dem Verbandstag zur Wahl präsentieren werden. Grundsätzlich haben sich alle Präsidiumskollegen bis auf den Präsidenten bereit erklärt, wieder zu kandidieren. Aber ich will da der Wahl nicht vorgreifen. Vielleicht stehen ja auch noch andere auf, die mitarbeiten wollen. Ich würde das begrüßen. Zumindest wird es ja ein neues Gesicht im Präsidium geben, da ich das Finanzwesen in andere Hände legen würde. Zudem brauchen wir einen komplett neuen Rechtsausschuss.

Der scheidende Präsident Biemer macht keinen Hehl daraus, dass der Leistungssport sein Steckenpferd war. Haben Sie auch Präferenzen?
Plonka: Der Leistungssport im größten Basketballverband muss eine wichtige PlonkaBiemerInternet008Rolle spielen. Dazu brauchen wir die finanzielle Unterstützung, einen zusätzlichen professionellen Landestrainer und eine Symbiose der Vereine mit dem WBV-Leistungssport. Wichtig ist, dass Talente gemeinschaftlich mit den Vereinen gefördert werden. Die Geldgeber z.B. der LSB hat dazu klare Vorstellungen. Wir als WBV müssen ein überzeugendes Konzept haben und dann dürfte der ein oder andere Bundesligaspieler und hoffentlich die Nachfolger von Dirk Nowitzki irgendwann in unserem Verband entdeckt werden. Aber leistungsorientiert sind natürlich auch die Jugend und die Senioren im WBV-Spielbetrieb. Diese Arbeit im Breitensport darf natürlich nie vernachlässigt werden.

Was erwarten Sie, abgesehen von den Wahlen, vom Verbandstag in Duisburg?
Plonka: Ich hoffe in erster Linie auf die Ruhe, die der Verband so dringend benötigt! Ich würde am 21. Juni gerne einen Strich ziehen, einen Neuanfang starten. Ich selbst steh ja auch dafür, bin sozusagen der Neue, noch Unverbrauchte aber auch Unbelastete durch Ereignisse in der Vergangenheit. Ich habe viele Kreise, wenn auch aus zeitlichen Gründen nicht alle, in den vergangenen Wochen besucht und habe viel Rückendeckung und Zustimmung empfunden. Auch beim DBB blickt man gespannt nach Duisburg und hat mich in meiner Kandidatur bestärkt. Wenn es seine Zeit zulässt, wird DBB-Präsident Ingo Weiss bei uns zu Gast sein. Er hat es zumindest angekündigt und das wiederum unterstreicht den Stellenwert, den der WBV im DBB hat. Dieser Rolle sollten wir mit einem zielorientierten und klar auf Basketball fokussierten Verbandstag gerecht werden. Und wenn das Ganze dann auch noch harmonisch über die Bühne geht...Perfekt!

 

(Text: maGro/Marc Grospitz, Fotos: powerplay-sportfoto/Dirk Unverferth)